Berlin

Berlin — die Hauptstadt, die niemals fertig wird

Berlin ist anders

Keine andere Stadt in Deutschland polarisiert so sehr. Wer in München aufgewachsen ist, findet Berlin chaotisch. Wer in Hamburg lebt, nennt es arm. Wer einmal dort war, kommt meistens wieder. Berlin ist laut, widersprüchlich, manchmal ungepflegt — und genau das macht es zur interessantesten Stadt Deutschlands.

Mit 3,7 Millionen Einwohnern ist Berlin die größte Stadt Deutschlands und gleichzeitig die flächenmäßig ausgedehnteste. Zwölf Bezirke, hunderte Kieze, eine Stadt die sich selbst kaum kennt. Mitte und Marzahn haben wenig gemeinsam außer der Postleitzahl. Prenzlauer Berg und Neukölln könnten verschiedene Städte sein.

Eine Stadt, zwei Geschichten

Kein anderer Ort in Deutschland trägt die Geschichte des 20. Jahrhunderts so sichtbar wie Berlin. Die Teilung der Stadt von 1961 bis 1989 hat Spuren hinterlassen, die auch 35 Jahre nach dem Mauerfall noch zu sehen und zu spüren sind. Im Osten breitere Straßen, andere Architektur, andere Erinnerungen. Im Westen der Kurfürstendamm, der Tiergarten, das alte Westberlin das sich selbst nie ganz aufgegeben hat.

Die Berliner Mauer war 155 Kilometer lang und teilte eine Stadt, die sich das nie wirklich vorstellen konnte. Heute erinnern die East Side Gallery, das Mauermuseum am Checkpoint Charlie und die Gedenkstätte Bernauer Straße an das, was war. Wer Berlin ohne diese Geschichte besucht, hat die halbe Stadt verpasst.

Die Bezirke — zwölf Städte in einer

Mitte ist das touristische Zentrum: Brandenburger Tor, Reichstag, Museumsinsel, Unter den Linden. Schön, aber nicht das echte Berlin. Das findet man eher in Friedrichshain, wo die Clubs bis in den Montagnachmittag geöffnet sind. Oder in Kreuzberg, das seit den 1970ern als Kiez des Widerstands gilt und heute zwischen Gentrifizierung und Tradition laviert. Charlottenburg ist bürgerlich und teuer. Spandau fühlt sich an wie eine eigene Stadt — weil es bis 1920 eine war. Pankow ist ruhig. Neukölln ist jung. Steglitz-Zehlendorf ist Westberlin pur.

Geschichte, die man anfassen kann

Das Pergamonmuseum auf der Museumsinsel zeigt eines der bedeutendsten archäologischen Sammlungen der Welt — darunter das rekonstruierte Pergamonaltar und das Ishtar-Tor aus Babylon. Die Museumsinsel selbst ist seit 1999 UNESCO-Welterbe. Das Jüdische Museum von Daniel Libeskind ist eines der architektonisch eindringlichsten Gebäude Europas. Das DHM, das Deutsche Historische Museum im Zeughaus, erzählt deutsche Geschichte von den Anfängen bis heute.

Berlin wurde 1237 erstmals urkundlich erwähnt — als Cölln, die Schwesterstadt auf der anderen Seite der Spree. Lange war es eine mittelgroße Residenzstadt. Erst mit dem Deutschen Kaiserreich 1871 wurde Berlin zur Metropole. Die Goldenen Zwanziger machten es zur kulturellen Hauptstadt Europas. Dann kam der Krieg, die Trümmer, die Teilung.

Kunst, Kultur, Nachtleben

Berlin hat mehr Museen als Regentage im Jahr — über 170. Mehr Bühnen als London. Und eine Clubszene, die weltweit kopiert und nirgendwo erreicht wird. Das Berghain ist seit zwanzig Jahren das bekannteste Techno-Club der Welt, aber Berlin ist nicht nur Techno. Die Philharmoniker unter der Leitung von Kirill Petrenko sind eines der besten Orchester der Welt. Die Volksbühne, die Schaubühne, das Gorki Theater — Berlin macht Gegenwartstheater auf höchstem Niveau.

Street Art ist in Berlin kein Subgenre, sondern Stadtbild. Ganze Häuserfassaden in Kreuzberg, Friedrichshain und Lichtenberg sind bemalt. Die East Side Gallery ist ein 1,3 Kilometer langer Freilufttunnel — die längste erhaltene Mauerabschnitt, heute Galerie.

Berlin heute

Berlin ist die Startup-Hauptstadt Deutschlands und zieht mehr Gründer an als München oder Hamburg. Gleichzeitig hat die Stadt chronisch leere Kassen. Die Infrastruktur ist marode, der Wohnungsmarkt angespannt, der BER-Flughafen hat erst nach neun Jahren Verspätung eröffnet. Berlin scheitert öffentlich und interessiert sich wenig dafür, was andere denken. Das ist entweder sein größtes Problem oder sein größter Charme — je nachdem, wen man fragt.

Häufige Fragen über Berlin

Wie viele Menschen leben in Berlin?

Rund 3,7 Millionen Einwohner — damit ist Berlin die größte Stadt Deutschlands und die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union nach Paris. Der Bezirk Mitte allein hat mehr Einwohner als manches Bundesland klein ist.

Wann wurde Berlin gegründet?

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1237 — damals noch als Cölln. 1307 schlossen sich Berlin und Cölln zusammen. Zur preußischen Residenzstadt wurde Berlin im 17. Jahrhundert unter den Hohenzollern, zur deutschen Hauptstadt 1871 nach der Reichsgründung.

Was muss man in Berlin gesehen haben?

Brandenburger Tor, Reichstag, Museumsinsel, East Side Gallery, Checkpoint Charlie, Gedenkstätte Berliner Mauer, Mauerpark, Tempelhofer Feld, Schloss Charlottenburg — und mindestens einen Abend in einem Bezirk, der nicht Mitte heißt.

Welche Bezirke hat Berlin?

Berlin hat zwölf Bezirke: Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Reinickendorf.

Ist Berlin teuer?

Im Vergleich zu München oder Hamburg — noch nicht. Im Vergleich zu vor zehn Jahren — erheblich. Die Mieten sind seit 2010 um über 100 Prozent gestiegen. Für Touristen bleibt Berlin eine der günstigsten Hauptstädte Westeuropas.

Wie kommt man in Berlin am besten voran?

Mit der BVG — U-Bahn, S-Bahn, Bus und Tram decken fast jeden Winkel der Stadt ab. Das Fahrrad ist in vielen Bezirken schneller als das Auto. Wer mit dem Auto kommt, braucht eine Umweltplakette für die Umweltzone in der Innenstadt.

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