Hamburg — die Stadt, die sich selbst am liebsten ist
Hamburg erklärt sich nicht
Hamburg wirbt nicht um Sympathie. Die Stadt ist sich selbst genug — kühl nach außen, warm nach innen, und fest davon überzeugt, dass wer einmal dort gelebt hat, nirgendwo anders mehr richtig wohnen kann. Dieses Selbstbewusstsein hat historische Gründe. Hamburg war jahrhundertelang eine der reichsten Städte Europas, ein unabhängiger Stadtstaat, der mit Königen und Kaisern auf Augenhöhe verhandelte. Dieses Gefühl ist geblieben, auch wenn die Kaiserin Geschichte ist.
Mit rund 1,9 Millionen Einwohnern ist Hamburg die zweitgrößte Stadt Deutschlands und nach Berlin die wichtigste. Als Stadtstaat ist Hamburg gleichzeitig Stadt und Bundesland — eine Konstruktion, die seit dem Mittelalter funktioniert und heute niemanden mehr wundert.
Von der Fischersiedlung zur Welthandelsstadt
Hamburg wurde 831 als Missionsbistum gegründet — ein strategischer Vorposten des fränkischen Reiches an der Elbe. Die eigentliche Geschichte beginnt aber 1189, als Kaiser Friedrich Barbarossa der Stadt Zollfreiheit auf der Elbe gewährte. Damit war der Grundstein gelegt. Hamburg wurde Handelsstadt, trat der Hanse bei und entwickelte sich zum wichtigsten Umschlagplatz zwischen Nordsee und dem europäischen Binnenland.
Im 19. Jahrhundert explodierte Hamburg förmlich. Die Industrialisierung, der Dampfschiffverkehr und die Massenauswanderung nach Amerika machten den Hafen zur wichtigsten Drehscheibe Europas. Zwischen 1850 und 1939 wanderten über fünf Millionen Menschen über Hamburg aus — Richtung New York, Richtung neues Leben. Der Hafen wuchs, die Stadt wuchs, das Geld blieb.
1842 brannte ein Drittel der Innenstadt ab — das Große Feuer von Hamburg zerstörte über 4.000 Gebäude in drei Tagen. Was danach gebaut wurde, prägt die Innenstadt bis heute: breite Straßen, massive Backsteinarchitektur, das Kontorhausviertel mit seinem expressionistischen Chilehaus. Seit 2015 ist das Kontorhausviertel UNESCO-Welterbe — gemeinsam mit der Speicherstadt.
Der Hafen — Herz und Identität
Wer Hamburg nicht vom Hafen aus gesehen hat, hat Hamburg nicht gesehen. Der Hamburger Hafen ist der drittgrößte Europas und der wichtigste Deutschlands. Über ihn läuft ein erheblicher Teil des deutschen Außenhandels — Container aus China, Rohstoffe aus aller Welt, Autos für den Export. Die Zahlen sind beeindruckend, aber die Atmosphäre noch mehr.
Die Landungsbrücken sind das touristisch bekannteste Stück Hafenfront — immer voll, immer windig, immer mit Blick auf Schiffe die größer sind als manche Dörfer. Wer früh aufsteht, geht zum Fischmarkt. Sonntags ab 5 Uhr morgens, bei jedem Wetter, mit Fisch, Obst, Aal und einer Atmosphäre, die nirgendwo anders so existiert.
Die Speicherstadt, direkt hinter den Landungsbrücken, ist das größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt — gebaut zwischen 1883 und 1927, rot gemauerter Backstein über Fleeten, die kleinen Kanälen Amsterdams ähneln. Früher lagerten hier Kaffee, Tee, Gewürze und Teppiche. Heute sind es Museen, Agenturen, das Miniaturwunderland und die HafenCity, Europas größtes innerstädtisches Stadtentwicklungsprojekt.
Die Stadtteile — viele Städte in einer
Hamburg ist eine Ansammlung von Welten, die nebeneinander existieren ohne sich zu stören. Die Innenstadt rund um die Binnenalster ist gepflegt, teuer und international — Mönckebergstraße, Jungfernstieg, die großen Kaufhäuser. Altona war bis 1937 eine eigenständige Stadt und merkt man das noch — eigenes Rathaus, eigenes Selbstbewusstsein, direkter Blick auf die Elbe.
Eimsbüttel ist bürgerlich und ruhig, beliebt bei Familien. Eppendorf ist noch ruhiger und noch teurer. St. Pauli ist das Gegenteil von allem — Reeperbahn, Hafenstraße, FC St. Pauli und eine Mischung aus Tourismus und echtem Kiez, die schwer zu beschreiben ist. Blankenese an der Elbe wirkt wie ein englisches Dorf und gehört zu den teuersten Wohnlagen Norddeutschlands.
Wilhelmsburg, lange abgehängt und vergessen, ist seit der Internationalen Bauausstellung 2013 im Umbau. Bergedorf liegt fast schon auf dem Land. Rahlstedt hat mehr Einwohner als Lübeck. Hamburg ist eine Stadt, die man nicht in einem Wochenende versteht.
Die Elbphilharmonie — zehn Jahre Skandal, ein Jahrhundertbau
Die Elbphilharmonie wurde 2017 eröffnet, neun Jahre später als geplant und mit Kosten von 866 Millionen Euro — ursprünglich sollte sie 77 Millionen kosten. Der Bau war ein politischer Skandal, ein Verwaltungsversagen und ein Lehrstück über alles, was bei Großprojekten schiefgehen kann.
Und trotzdem: Das Ergebnis ist außergewöhnlich. Die Architekten Herzog & de Meuron haben auf einen alten Kaispeicher ein gläsernes Wellengebäude gesetzt, das von jedem Punkt der HafenCity sichtbar ist. Der Konzertsaal gilt akustisch als einer der besten der Welt. Die Plaza, die öffentliche Aussichtsplattform zwischen dem alten Backsteinbau und dem neuen Glasaufsatz, ist frei zugänglich und bietet den besten Blick über den Hafen. Hamburg hat die Elbphilharmonie erst gehasst und liebt sie jetzt. So ist das manchmal.
Kultur, Museen, Theater
Hamburg ist nach London und New York die Stadt mit den meisten Musicals weltweit — Stage Entertainment hat hier seinen Sitz, und die Produktionen von König der Löwen, Das Phantom der Oper und anderen laufen seit Jahrzehnten in eigens gebauten Theatern. Das Hamburger Abendblatt schreibt regelmäßig über ausverkaufte Häuser.
Die Hamburger Kunsthalle ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands — mit einer Sammlung, die vom Mittelalter bis zur Gegenwart reicht und Caspar David Friedrich ebenso zeigt wie zeitgenössische Positionen. Das Museum für Kunst und Gewerbe, das Bucerius Kunst Forum, das Hamburger Bahnhof — nein, der liegt in Berlin — Hamburg hat genug eigene Museen.
Das Miniaturwunderland in der Speicherstadt ist die meistbesuchte Dauerausstellung Deutschlands. 1.500 Quadratmeter Modellbahn, Detailtreue auf dem Niveau von Obsession und Wartezeiten, die an Disneyland erinnern. Kein Museum, kein Kunstprojekt — einfach Handwerk auf extremem Niveau.
Hamburg heute
Hamburg ist wohlhabend. Pro-Kopf-Einkommen, Steuereinnahmen, Hafenumschlag — Hamburg liegt in fast jeder Wirtschaftsstatistik über dem Bundesdurchschnitt. Die Stadt hat eine starke Medienwirtschaft, einen gewachsenen Technologiesektor und den Hafen als industrielles Rückgrat.
Gleichzeitig wächst die Stadt schnell und hat die Probleme, die damit kommen: steigende Mieten, Verkehr, zu wenig Wohnungsbau. Die HafenCity schafft neuen Raum, aber langsam. Wilhelmsburg und andere Stadtteile warten noch auf ihre Aufwertung. Hamburg ist eine reiche Stadt mit ungleich verteiltem Reichtum — wie fast alle reichen Städte.
Der Hafen verliert Marktanteile an Rotterdam und Antwerpen, weil die Elbe zu flach ist für die größten Containerschiffe der neuen Generation. Die Elbvertiefung ist seit Jahrzehnten politisch umstritten, ökologisch problematisch und wirtschaftlich dringend. Hamburg kämpft darum, relevant zu bleiben — und wird es bleiben.
Häufige Fragen über Hamburg
Wie viele Einwohner hat Hamburg?
Rund 1,9 Millionen in der Stadt, rund 5 Millionen in der Metropolregion Hamburg, die Teile von Schleswig-Holstein und Niedersachsen einschließt. Hamburg ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands nach Berlin.
Wann wurde Hamburg gegründet?
831 als Missionsbistum unter Erzbischof Ansgar. Die Stadtrechte und die für Hamburg entscheidende Zollfreiheit auf der Elbe stammen aus dem Jahr 1189. Die Freie und Hansestadt Hamburg feiert sich traditionell auf das Jahr 1189 — obwohl Historiker das differenzierter sehen.
Was ist das Wahrzeichen Hamburgs?
Der Michel — offiziell die Hauptkirche Sankt Michaelis — ist das bekannteste Wahrzeichen. Der Kirchturm ist 132 Meter hoch und von fast überall in der Innenstadt sichtbar. Daneben gelten Speicherstadt, Landungsbrücken und seit 2017 die Elbphilharmonie als prägende Symbole der Stadt.
Was kostet die Elbphilharmonie Plaza?
Der Eintritt zur Plaza ist kostenlos, erfordert aber ein Zeitfensterticket, das online reserviert werden kann. Die Aussicht über Hafen und Stadt ist einer der besten kostenlosen Aussichtspunkte Deutschlands.
Welche Stadtteile sind in Hamburg besonders sehenswert?
Die Speicherstadt und HafenCity für Architektur und Museen, St. Pauli für Atmosphäre und Nachtleben, Blankenese für den Blick auf die Elbe, Altona für den Fischmarkt und die Altstadt, Eimsbüttel und Eppendorf für das echte Hamburger Stadtleben abseits des Tourismus.
Wie kommt man in Hamburg am besten voran?
Mit U-Bahn, S-Bahn und Bus — das HVV-Netz ist dicht und zuverlässig. Für die Innenstadt und die innenstadtnahen Stadtteile ist das Fahrrad oft schneller. Das Auto lohnt sich in Hamburg kaum — Parkplätze sind knapp und teuer.
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