Warum immer mehr Deutsche 2026 in Deutschland bleiben statt ins Ausland zu reisen
Ich schreibe seit Jahren über Städte in diesem Land, und in letzter Zeit fällt mir ein Muster auf, das sich jetzt auch in Zahlen bestätigt: Mehr Leserinnen und Leser fragen nach Zielen innerhalb Deutschlands, nicht als Verlegenheitslösung, sondern als bewusste Entscheidung. Eine aktuelle Studie liefert dafür eine handfeste Erklärung, die über persönliche Eindrücke hinausgeht.
Was die neue Studie zeigt
Der „Sicherheitsreport für Reisende 2026″ der Ergo Reiseversicherung, veröffentlicht Ende September 2026 und gestützt auf eine YouGov Befragung von 2.470 Personen, zeichnet ein klares Bild: 93 Prozent der Befragten, die mindestens einmal jährlich verreisen, sagen, die Sicherheitslage im Reiseland sei für ihre Urlaubsplanung wichtig oder sehr wichtig. Erstmals wurde in diesem Jahr gezielt nach der Sorge vor Krieg, politischen Unruhen und bewaffneten Konflikten gefragt, 38 Prozent nennen sie, nahezu gleichauf mit der Sorge vor Kriminalität mit 40 Prozent.
41 Prozent der Befragten geben an, sich durch die aktuelle geopolitische Lage beim Reisen unsicherer zu fühlen. Von dieser Gruppe sagen 66 Prozent, dass sich ihre Reiseplanung für die kommenden zwölf Monate dadurch verändern wird. 63 Prozent vermeiden mittlerweile gezielt bestimmte Reiseziele oder wählen Länder, die als sicher gelten. Die Reiseexpertin Bettina Konzack bringt es in der Studie auf den Punkt: „Die Weltlage reist mit.“
Deutschland profitiert direkt
Der für mich interessanteste Teil der Studie betrifft die konkreten Verschiebungen bei den Reisezielen. Der Anteil der Befragten, die Deutschland für längere Reisen wählen, stieg von 22 auf 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die weltweite Ziele außerhalb Europas bevorzugen, von 21 auf 15 Prozent. Europäische Reiseziele insgesamt bleiben mit 51 Prozent weiterhin die häufigste Wahl, aber innerhalb dieser Gruppe gewinnt das eigene Land spürbar an Boden.
Das lässt sich auch an praktischen Verhaltensänderungen ablesen: 39 Prozent der Befragten würden eine laufende Reise abbrechen, wenn sich die Sicherheitslage vor Ort verschlechtert, und 35 Prozent achten inzwischen verstärkt auf offizielle Reisehinweise, etwa vom Auswärtigen Amt. Wer solche Unsicherheiten von vornherein vermeiden möchte, landet fast zwangsläufig bei der Frage, was das eigene Land eigentlich zu bieten hat.
Was das für Städtereisen bedeutet
Aus meiner Sicht als jemand, der die meisten dieser Städte selbst recherchiert hat, ist die gute Nachricht: Wer wegen Sicherheitsbedenken auf eine Fernreise verzichtet, muss nicht auf Kulturdichte, Geschichte oder Abwechslung verzichten. Köln bietet an einem einzigen Tag Dom, Rheinufer und ein gutes Museum. Berlin lässt sich in wenigen Tagen in völlig unterschiedlichen Facetten erleben, von den großen Wahrzeichen bis zu den Kiezen abseits der Touristenrouten. München verbindet Altstadt, Museen und bayerische Lebensart, ganz ohne Flug und ohne die Unsicherheiten einer Fernreise.
Viele dieser Städte sind zudem bequem mit der Bahn erreichbar, was die Planung zusätzlich vereinfacht und die in der Studie genannte Sorge vor kurzfristigen Planänderungen praktisch entschärft: Eine innerdeutsche Zugreise lässt sich notfalls deutlich unkomplizierter verschieben oder stornieren als ein gebuchter Langstreckenflug.
Mein Fazit
Ich will diesen Trend nicht größer machen, als er ist, die Mehrheit der Deutschen reist laut Studie weiterhin auch 2026 ins Ausland. Aber die Verschiebung von 22 auf 30 Prozent bei innerdeutschen Reisen ist real und nachvollziehbar. Wer sich 2026 fragt, ob eine Städtereise im eigenen Land eine ernsthafte Alternative zur Fernreise sein kann, bekommt von mir eine klare Antwort: ja, und zwar eine, die sich nicht wie ein Kompromiss anfühlen muss.
Häufig gestellte Fragen
Warum bleiben immer mehr Deutsche 2026 im eigenen Land?
Laut dem Sicherheitsreport 2026 der Ergo Reiseversicherung nennen 38 Prozent der Befragten Krieg und politische Unruhen als Reisesorge. 41 Prozent fühlen sich durch die geopolitische Lage beim Reisen unsicherer, und ein wachsender Teil davon weicht auf Reiseziele im eigenen Land aus.
Wie stark ist Deutschland als Reiseziel 2026 gewachsen?
Der Anteil der Befragten, die Deutschland für längere Reisen nennen, stieg von 22 auf 30 Prozent im Jahresvergleich. Gleichzeitig sank der Anteil weltweiter Reiseziele von 21 auf 15 Prozent.
Welche deutschen Städte eignen sich als Alternative zu Fernreisen?
Städte wie Köln, Berlin und München bieten die Kulturdichte und Vielfalt einer großen Reise, ohne die mit Fernreisen verbundenen Unsicherheiten. Viele lassen sich zudem ohne Flug und mit der Bahn erreichen.
Quelle: touristik aktuell, Sicherheitsreport 2026 der Ergo Reiseversicherung