Mecklenburg-Vorpommern

  • Was macht Mecklenburg so bekannt?
    30. April 2026 — Autor: Leon Fischer Mecklenburg ist mehr als eine geografische Bezeichnung; es ist ein Raum, in dem Landschaft, Geschichte und Alltag sich zu einem eigenständigen Charakter verbinden. In diesem Text nehme ich Sie mit auf eine ausführliche
  • Sehenswürdigkeiten in Schwerin: ein Stadtspaziergang zwischen Schloss und See
    23. April 2026 — Leon Fischer Welche Sehenswürdigkeiten gibt es in Schwerin? Diese Frage lässt sich mit einem Lächeln beantworten, weil die Stadt so viele kleine Überraschungen bereithält: ein Märchenschloss auf einer Insel, stille Teiche mitten in der Altstadt und

MecklenburgVorpommern — das Land, das mehr Seen hat als Einwohner kennen

Ein Bundesland, das niemand auf Anhieb buchstabiert

Mecklenburg-Vorpommern ist der längste Bundeslandname Deutschlands — und irgendwie passt das. Das Land ist sperrig, schwer zu fassen, schwer zu vermarkten. Kein einzelnes Bild, das für alles steht. Keine Metropole, die den Rest überstrahlt. Kein Klischee, das wirklich stimmt. Was es hat, ist eine Ostseeküste von 1.940 Kilometern Länge — die längste aller deutschen Bundesländer — dazu über 2.000 Seen, mehr Nationalparkfläche pro Einwohner als jedes andere Bundesland, und Hansestädte, die zu den besterhaltenen Norddeutschlands gehören.

Mit rund 1,6 Millionen Einwohnern auf 23.000 Quadratkilometern ist Mecklenburg-Vorpommern das am dünnsten besiedelte Bundesland Deutschlands. Manche Landkreise haben eine Bevölkerungsdichte, die an Nordskandinavien erinnert. Das ist kein Versäumnis — es ist ein Merkmal. Wer nach Mecklenburg-Vorpommern kommt, kommt nicht wegen der Dichte. Er kommt wegen des Gegenteils.

Geschichte — zwischen Slawen, Hanse und Preußen

Mecklenburg-Vorpommern ist slawisches Ursprungsland. Die germanischen Stämme, die hier in der Völkerwanderungszeit westwärts zogen, hinterließen eine Leerstelle, die slawische Stämme — die Obodriten und Lutizen — im 6. und 7. Jahrhundert füllten. Schwerin, Rostock, Güstrow — alle diese Städtenamen haben slawische Wurzeln. Schwerin kommt vom slawischen Zuarin, Rostock vom slawischen Begriff für auseinanderfließendes Wasser.

Die deutsche Kolonisierung des Ostens im 12. und 13. Jahrhundert brachte Stadtgründungen, Handelsnetzwerke und schließlich den Beitritt zur Hanse. Rostock, Stralsund, Wismar, Greifswald — vier Hansestädte in einem Bundesland, das heute weniger Einwohner hat als München. Die Hanse machte diese Städte reich. Die Backsteinkirchen, die Rathäuser, die Bürgerhäuser — alles aus dieser Zeit, alles noch erkennbar.

Der Dreißigjährige Krieg verwüstete Mecklenburg und Pommern wie kaum eine andere Region. Schweden beherrschte Vorpommern danach über 150 Jahre — bis 1815. Die schwedische Zeit hinterließ Verwaltungsstrukturen, Festungsanlagen und in Stralsund eine Erinnerung, die bis heute im Stadtbild lesbar ist. Die Übergabe Vorpommerns an Preußen 1815 beendete die schwedische Episode — aber Stralsund nennt die schwedische Zeit bis heute ohne Bitterkeit.

Die DDR machte Mecklenburg-Vorpommern zur Urlaubsregion für den gesamten Ostblock. Die Ostseeküste, die Seen, die Wälder — in einer geschlossenen Gesellschaft ohne Zugang zur Nordsee oder zum Mittelmeer war die Ostsee das Meer schlechthin. Rostock wurde zur Hafenstadt ausgebaut, Schwedt zur Industriestadt, Eisenhüttenstadt zum sozialistischen Vorzeigeprojekt — das allerdings in Brandenburg liegt. Nach der Wiedervereinigung brach die Industrie weg, die Werften schrumpften, die Bevölkerung wanderte ab. Mecklenburg-Vorpommern verlor zwischen 1990 und 2010 über 300.000 Einwohner. Seitdem stabilisiert sich die Lage — langsam.

Rostock — die Hafenstadt, die mehr will

Rostock ist mit rund 210.000 Einwohnern die größte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns und der wichtigste Hafen der deutschen Ostseeküste. Die Universität Rostock, gegründet 1419, ist die älteste Universität im Ostseeraum und die viertälteste Deutschlands — älter als die Reformation, älter als der Buchdruck. Das gibt Rostock eine intellektuelle Tradition, die seiner heutigen Größe vorausgeht.

Die Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt — stärker als viele norddeutsche Städte, weil die Werften und der Hafen strategisch wichtig waren. Was erhalten blieb oder wiederaufgebaut wurde, ist trotzdem sehenswert. Das Kröpeliner Tor, das mächtigste der erhaltenen Stadttore, steht am Ende der Kröpeliner Straße, der historischen Hauptachse der Altstadt. Die Marienkirche, eine gotische Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, hat eine astronomische Uhr von 1472, die bis heute läuft — und an der täglich um 12 Uhr die Apostelfiguren am Christus vorbeidefilieren.

Warnemünde, der Seebad- und Hafenvorort direkt an der Ostseeküste, ist Rostocks Visitenkarte im Sommer. Kreuzfahrtschiffe legen hier an, Badegäste bevölkern den Strand, Fischer verkaufen Räucherfisch an der Alten Strom. Warnemünde ist touristisch, manchmal überlaufen — und trotzdem hat es eine Atmosphäre, die norddeutscher nicht sein könnte.

Schwerin — die Märchenhauptstadt

Schwerin ist eine der kleinsten Landeshauptstädte Deutschlands — rund 95.000 Einwohner — und eine der malerischsten. Die Stadt liegt auf und zwischen Seen, das Schweriner Schloss steht auf einer Insel im Schweriner See und ist das meistfotografierte Gebäude Mecklenburg-Vorpommerns. Es sieht aus wie ein Märchenschloss — weil es teilweise als eines konzipiert wurde.

Das heutige Schloss ist ein Bau des 19. Jahrhunderts, errichtet unter Herzog Friedrich Franz II. von 1843 bis 1857, orientiert am Stil der Loire-Schlösser in Frankreich — mit Türmchen, Erkern und einer Silhouette, die sich im Wasser spiegelt. Die Grundlage war eine ältere Anlage, die bis ins Mittelalter zurückreicht — auf der Schlossinsel stand bereits im 10. Jahrhundert eine slawische Burg. Heute ist das Schloss Sitz des Schweriner Landtags — Parlamentarismus in märchenhafter Kulisse.

Die Schweriner Altstadt ist kleiner als die meisten deutschen Landeshauptstädte, aber kompakt und gut erhalten. Der Dom zu Schwerin, begonnen im 13. Jahrhundert, ist eines der bedeutendsten gotischen Backsteinbauwerke Norddeutschlands. Vom Turm aus überblickt man die Stadt und die umliegenden Seen — bei klarem Wetter bis zur Ostseeküste.

Stralsund und Wismar — das doppelte Welterbe

Stralsund und Wismar teilen sich seit 2002 einen UNESCO-Welterbe-Titel — als historische Altstädte der Hanse. Das ist ungewöhnlich, aber begründet: Beide Städte repräsentieren denselben Typus der norddeutschen Backsteingotik, beide haben ihre mittelalterlichen Strukturen weitgehend erhalten, beide liegen an der Ostseeküste.

Stralsund war im Mittelalter nach Lübeck die mächtigste Hansestadt der Ostsee. Die Backsteinkirchen — St. Nikolai, St. Marien, St. Jakobi — dominieren die Silhouette der Stadt vom Wasser aus. Das Rathaus am Alten Markt, mit seiner gotischen Schaufassade aus dem 14. Jahrhundert, gilt als eines der schönsten mittelalterlichen Rathäuser Norddeutschlands. Das Ozeaneum, 2008 eröffnet, ist das modernste Meeresmuseum Deutschlands und zieht Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet — ein Gebäude, das so selbstbewusst modern ist, dass es neben den Backsteinkirchen provoziert, und gerade deshalb funktioniert.

Wismar liegt weiter westlich, fast schon an der Grenze zu Schleswig-Holstein, und ist ruhiger als Stralsund. Der Marktplatz ist einer der größten Norddeutschlands, flankiert von gotischen Giebelhäusern. Die Wasserkunst in der Mitte des Platzes, ein sechzehneckiges Renaissancebauwerk von 1602, diente bis ins 19. Jahrhundert als Wasserversorgungsanlage. Die Georgenkirche, im Krieg zerstört, wurde seit den 1990ern wiederaufgebaut — ein Projekt, das über 30 Jahre dauert und noch nicht abgeschlossen ist.

Greifswald — die Universitätsstadt an der Ryck

Greifswald ist klein — rund 60.000 Einwohner — und wird von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität dominiert, gegründet 1456, eine der ältesten Deutschlands. Wie in Marburg oder Tübingen prägen die Studierenden das Stadtbild und das Leben vollständig.

Caspar David Friedrich, der bedeutendste deutsche Maler der Romantik, wurde 1774 in Greifswald geboren. Seine Landschaften — Kreidefelsen auf Rügen, Mönch am Meer, Eismeer — entstanden aus der Naturerfahrung dieser Küstenregion. Das Pommersches Landesmuseum zeigt Werke von Friedrich und gibt der Verbindung zwischen dem Maler und seiner Herkunftsstadt eine museale Form. Wer Friedrichs Bilder kennt und dann an die Kreideküste auf Rügen fährt, versteht, woher die Bilder kommen.

Die Klosterruine Eldena, am Stadtrand von Greifswald, ist durch Friedrich weltbekannt geworden — er malte sie mehrfach, als Symbol für Vergänglichkeit und Naturgewalt. Die Ruine selbst ist bescheidener als die Gemälde vermuten lassen. Das macht sie in gewisser Weise interessanter.

Rügen und Usedom — die Inseln

Rügen ist die größte Insel Deutschlands — 926 Quadratkilometer, mehr als 570 Kilometer Küstenlinie, drei Nationalparks, ein UNESCO-Welterbe. Die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund, besungen von Caspar David Friedrich und bis heute beeindruckend, sind das bekannteste Bild der Insel. Der Königsstuhl, die markanteste Kreideformation direkt über der Ostsee, ist der meistbesuchte Naturpunkt Mecklenburg-Vorpommerns.

Binz, das größte Seebad auf Rügen, ist Bäderarchitektur in Reinform — weiße Villen mit Veranden und Türmchen, gebaut Ende des 19. Jahrhunderts für das Berliner Bürgertum, das mit dem Zug an die Ostsee fuhr. Prora, einige Kilometer nördlich von Binz, ist das Gegenteil: ein 4,5 Kilometer langer Gebäudekomplex, 1936 bis 1939 von den Nationalsozialisten als Kraft-durch-Freude-Urlaubsanlage gebaut — das größte Gebäude seiner Art in Europa, nie fertiggestellt, nach dem Krieg von der NVA genutzt, heute teilweise umgebaut zu Ferienwohnungen und einem Museum. Prora ist ein unbequemes Denkmal, das man nicht ignorieren kann, weil es einfach zu groß ist.

Usedom, die andere große Ostseeinsel, teilt sich Deutschland und Polen — die Grenze verläuft mitten durch die Insel, mitten durch die Strandpromenade von Ahlbeck. Auf der deutschen Seite die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin — drei Seebäder, die im Kaiserreich entstanden und ihre Bäderarchitektur weitgehend erhalten haben. Auf der polnischen Seite Świnoujście, früher Swinemünde, eine mittelgroße Hafenstadt mit eigenem Charakter. Usedom ist im Sommer eines der meistbesuchten Reiseziele Ostdeutschlands — und im Winter fast menschenleer.

Natur — das eigentliche Kapital

Mecklenburg-Vorpommern hat drei Nationalparks: den Nationalpark Jasmund auf Rügen mit den Kreidefelsen, den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit Rügen, Hiddensee und dem Darß, und den Nationalpark Müritz rund um den größten Binnensee Deutschlands. Dazu kommen mehrere Biosphärenreservate und Naturparks.

Die Mecklenburgische Seenplatte im Binnenland ist das größte zusammenhängende Seengebiet Deutschlands — über 1.000 Seen, verbunden durch die Havel und die Müritz. Hausboote, Kanu, Segeln — der Wassertourismus ist hier das dominierende Freizeitangebot. Die Müritz selbst, mit 117 Quadratkilometern der größte vollständig in Deutschland liegende See, ist Herzstück des Nationalparks und Lebensraum für Seeadler, Kraniche und Fischadler.

Der Darß, eine Halbinsel zwischen Rostock und Stralsund, ist Naturschutzgebiet mit wilden Stränden, Urwald und Windflüchtern — Bäumen, die durch den Dauerwind in einer Richtung gewachsen sind, die an Skulpturen erinnert. Der Weststrand des Darß ist einer der einsamsten Strände Deutschlands — kein Strandkorb, keine Promenade, nur Wind, Sand und Meer.

Wirtschaft — Tourismus als Hauptindustrie

Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit dem höchsten Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt. Über 32 Millionen Übernachtungen jährlich — eine Zahl, die für ein Bundesland mit 1,6 Millionen Einwohnern außergewöhnlich ist. Der Tourismus ernährt direkt und indirekt einen erheblichen Teil der Bevölkerung.

Daneben gibt es Werften — aber nicht mehr viele. Die Neptun Werft in Rostock und die Warnow Werft überlebten die Nachwendezeit, spezialisiert auf Kreuzfahrtschiffe und Fähren. Die Landwirtschaft ist großflächig und hochmechanisiert — Mecklenburg-Vorpommern hat die größten Agrarbetriebe Deutschlands, Erbe der DDR-Kollektivierung, die nie vollständig rückabgewickelt wurde. Windenergie spielt eine wachsende Rolle — die weiten flachen Landschaften und die Küstenwinde sind ideale Bedingungen.

Häufige Fragen über Mecklenburg-Vorpommern

Wie viele Einwohner hat Mecklenburg-Vorpommern?

Rund 1,6 Millionen — damit ist Mecklenburg-Vorpommern nach Bremen das zweitkleinste Bundesland nach Einwohnerzahl, aber das fünftgrößte nach Fläche. Die Bevölkerungsdichte liegt bei rund 69 Einwohnern pro Quadratkilometer — eine der niedrigsten in Deutschland.

Was ist die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern?

Schwerin, mit rund 95.000 Einwohnern die kleinste Landeshauptstadt eines Flächenlandes in Deutschland. Schwerin wurde 1990 Landeshauptstadt, als Mecklenburg-Vorpommern als Bundesland wiedergegründet wurde. Die DDR hatte das Bundesland aufgelöst und in Bezirke eingeteilt — Rostock, Schwerin und Neubrandenburg.

Warum heißt das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern?

Weil es aus zwei historischen Territorien zusammengesetzt ist: Mecklenburg im Westen, ein altes Herzogtum mit Schwerin und Rostock als Zentren, und Vorpommern im Osten, der westliche Teil des historischen Pommerns mit Stralsund, Greifswald und Rügen. Hinterpommern — der östliche Teil — liegt heute in Polen.

Welche Städte in Mecklenburg-Vorpommern sind UNESCO-Welterbe?

Die historischen Altstädte von Stralsund und Wismar sind seit 2002 gemeinsam UNESCO-Welterbe, als Zeugnisse der Backsteingotik und der Hansekultur. Der Nationalpark Jasmund auf Rügen mit den Kreidefelsen ist kein Welterbe, aber Nationalpark — eine häufige Verwechslung.

Was sind die schönsten Reiseziele in Mecklenburg-Vorpommern?

Rügen mit den Kreidefelsen und den Kaiserbädern, Usedom mit der Bäderarchitektur und der deutsch-polnischen Grenzlage, Stralsund und Wismar als Hansestädte, die Mecklenburgische Seenplatte für Wassertourismus, der Darß für Wildnatur und Schwerin für das Schloss. Das Bundesland hat keine schlechten Reiseziele — nur zu wenig bekannte.

Wann ist die beste Reisezeit für Mecklenburg-Vorpommern?

Juni bis August für Strand und Ostsee — mit entsprechend vollen Stränden und höheren Preisen. Mai und September sind ruhiger, das Wetter an der Küste aber unbeständiger. Für Städte wie Schwerin, Stralsund und Wismar ist das ganze Jahr geeignet — Backsteinarchitektur sieht im Herbstlicht besonders gut aus. Die Kraniche, die im Herbst zu Zehntausenden an der Ostseeküste rasten, sind ein Naturschauspiel von Oktober bis November, das wenig bekannt und außergewöhnlich ist.


Alle Bundesländer und Städte Deutschlands finden Sie auf der Hauptseite: Deutschland-Städte.de